50 JAHRE FIS SKI-WELTCUP MIT 40 JAHREN CRANS-MONTANA 

Der alpine FIS Ski-Weltcup feiert die ganze Saison hindurch sein 50-jähriges Bestehen. Und Crans-Montana feiert tüchtig mit. Auf dem Walliser Hochplateau sind die ersten Weltcuprennen 40 Jahre her. Jetzt gehört die WM-Station von 1987, die weitere Welttitelkämpfe will, fix zum Kalender und ist Klassiker der Frauen. - Siehe Fotos-Galerie am Ende des Textes.

Am Wochenende des 25./26. Januar 1977 gastierte der damals 10 Jahre junge alpine Ski-Weltcup erstmals in Crans-Montana. Inzwischen erwartet der Walliser Kurort, der sehr viel zu bieten hat - darunter jeden Sommer das prestigereiche Omega European Masters der besten Golfer Europas - das 14. Gastspiel der weltbesten Skirennfahrerinnen. Und weil am 24./25./26. Februar bei der ersten Revanche der Weltmeisterschaften von St. Moritz ein Super-G und zwei Alpine Kombination programmiert sind, darf auf der sehr anspruchsvollen Piste „Mont Lachaux“ die Crème de la crème der Speedfahrerinnen und der Technikerinnen begrüsst werden.   

Am Anfang stand eine Idee

Wo stünde heute der alpine Skirennsport wohl, wenn es den „World Cup“ nicht gäbe, wenn vor etwas über fünf Jahrzehnten der renommierte französische Journalist Serge Lang nicht die Idee eines saisonübergreifenden Wettbewerbs analog zur „Challenge“ der Radrennfahrer lanciert hätte, der den besten Fahrer und die beste Fahrerin eines ganzen Winters über alle Disziplinen hinweg auszeichnet? Niemand kann das abschätzen, man kann nur mutmassen. Aber eines ist gewiss: Was Serge Lang, 1999 im Alter von 79 Jahren nach einem Herzinfarkt verstorben, zuerst mit den damaligen Teamchefs von Frankreich (Honoré Bonnet) und den USA (Bob Beattie) und später auch noch Sepp Sulzberger (Österreich) skizzierte und 1966 an der legendären WM in Chile (Portillo) zu Papier brachte, ist eine Erfolgsgeschichte. Dabei stand der Welt-Skiverband zuerst abseits; erst an ihrem Kongress im Mai 1967 beschloss die FIS, die private Idee und von Lang & Co. zuerst unabhängig organisierte Wettkampfserie zu übernehmen. 

Trotzdem gab es viele Jahre lang einiges an Auf und Ab mit Terminkollisionen in den Anfängen und immer wieder Regeländerungen. Heute völlig undenkbar wäre auch die frühe Praxis, die Frauen quasi als zweitklassig zu behandeln und fast nur während der Woche fahren zu lassen, die Männer grösstenteils aber an den bevorzugten Wochenenden. Vergangene Zeiten. Mittlerweile ist der Weltcup ein sehr gut strukturiertes Produkt und plant langfristig. Davon profitiert auch Crans-Montana. Schon jetzt stehen die Daten für die Klassik im Wallis bis 2020 fest: 2. bis 4. März 2018 (Alpine Kombination Abfahrt/Slalom, Abfahrt und Super-G); 23./24. Februar 2019 (Abfahrt und Alpine Kombination Abfahrt/Slalom); 22./23. Februar 2020 (Abfahrt und Super-G). 

Von Marie-Theres Nadig bis Alberto Tomba

Als Crans-Montana im Januar vor 40 Jahren erstmals Teil des Weltcup-Kalenders wurde (allererste Weltcup-Siegerin in Crans-Montana: die Österreicherin Brigitte Totschnig in der Abfahrt am 25.1.1977, siehe Porträtfoto in der Galerie) und in der Vor-WM-Epoche weitere Rennen folgten (1979, 1981 und 1986), feierten fast ausnahmslos nur grosse Namen des alpinen Skirennsports Siege. In den frühen Zeiten hiessen sie beispielsweise Marie-Theres „Maite“ Nadig (Action Foto), Perrine Pelen, Lise-Marie Morerod (Foto mit Kristallkugel), Erika Hess (Foto Slalom), Christian Neureuther, Phil Mahre, Marc Girardelli und Peter Müller (Foto Podium Abfahrt 1981: 2. hinter Steve Podborski CAN und vor Ken Read CAN). Die zweite Periode von Weltcuprennen auf dem Hochplateau dauerte von 1992 bis 1998. Bei diesen zwei Gelegenheiten richtete Crans-Montana zweimal in den beiden Olympia-Wintern Weltcup-Finals aus. Beim ersten Mal hiessen die beeindruckendsten Protagonisten mit je zwei Siegen Carole Merle und Alberto Tomba (Foto Podium). Letzterer war da nach einem packenden Saisonduell im Kampf um die grosse Weltcup-Kristallkugel allerdings schon geschlagen – vom Schweizer Allrounder Paul Accola. Bei der zweiten Olympia-Revanche sechs Jahre später triumphierten die Slowenin Urska Hrovat und die Österreicherin Alexandra Meissnitzer bei den Frauen, Josef Strobl in der Abfahrt vor dem jungen Didier Cuche, Stephan Eberharter im Riesenslalom vor Hans Knauss und zum krönenden Abschluss seiner brillanten Karriere im Slalom nochmals Alberto Tomba. 

Darauf folgte ein Dezennium schöpferischer Pause. Nach einer Art Aufbau mit Europacuprennen, den Europacupfinals 2009 und der Junioren-Weltmeisterschaft 2011 ging es auf Stufe Weltcup im 2008 weiter. Die neue Ära trägt die Handschrift des dynamischen OK-Präsidenten Marius Robyr (Brigadier, 18 Jahre Kommandant der Patrouille des Glaciers), stark unterstützt von seinen zwei Vizepräsidenten Markus Murmann(Renndirektor) und Hugo Steinegger (Chef Promotion/Kommunikation/Medien). Die Motivation wird aus einem grossen Ziel geschöpft; Crans-Montana bringt sich in Stellung, um für die alpine FIS WM 2025 zu kandidieren. Das Bewerbunsdossier soll 2019 eingereicht werden. Robyr fungiert im Auftrag der involvierten Gemeinden auf dem Hochplateau als Projektleiter des Unternehmens. 

Stars und Wetterkapriolen prägen die Neuzeit

Seit im März 2008 die neue Zeitrechnung begann, machte der Weltcup alle zwei Jahre hier Station, viermal die Frauen, dazu 2012 die Männer. Die Starparaden passten genau in die Tradition der Rennen auf der anspruchsvollen Piste „Mont Lachaux“ von Cry d’Err hinunter ins Zielstadion oberhalb der Talstation von Les Violettes. Es triumphierten in der Regel die Skigrössen. Lindsey Vonn siegte zweimal (2008, Foto beim Sprung und 2010 in Abfahrten), dazu Anja Pärson (2008 in der Kombination), Dominique Gisin (2010 im Super-G vor Vonn), Andrea Fischbacher (2014 in der Abfahrt vor Anna Fenninger und Tina Maze) und Mikaela Shiffrin im Slalom 2016 (auf dem Podium vor Nastasia Noëns und Marie-Michèle Gagnon). Letztes Jahr erzeugte das Comeback von Shiffrin einen gewaltigen Medienrummel. Das kam vor allem deshalb sehr gelegen, weil es die ganze Woche über immer wieder heftig schneite und Alpine Kombination sowie Abfahrt infolge drei Meter Neuschnees (!) gestrichen werden mussten. Nichts Neues: Schon 2010 (zuviel Wind) und 2014 (Nebel) hatte die Meteo das Programm durcheinandergebracht. Nicht unerwähnt sei Lara Gut, die Gesamt-Weltcupsiegerin 2015/16, die bei ihrer Präsenz auf dem Walliser Hochplateau auf Rieseninteresse stiess (Foto-Galerie: bei der Startnummern-Auslosung 2016).

Das letzte Heimrennen von Didier Cuche

Die stimmungsvollsten Weltcuprennen der Neuzeit lieferten 2012 die ausnahmsweise hier gastierenden Männer. Die gegen 50‘000 Skifans feierten insbesondere den Abschied nehmenden Didier Cuche (Foto-Galerie beim Adieu). Der 37-jährige Star bedankte sich auf seine Weise. Im ersten Super-G zeigte er allen nochmals den Speedmeister und liess sich bei der zweiten Auflage nur von Benjamin Raich und Adrien Théaux bezwingen. Quasi als Sahnehäubchen obendrauf erhielt der Neuenburger bei der Super-G-Siegzeremonie und Startnummernauslosung für den Riesenslalom (der Italiener Massimo Blardone siegte vor den Österreichern Marcel Hirscher und Hannes Reichelt) ganz offiziell auch noch den Preis für die Wahl zum «Schweizer des Jahres 2011“.

Originaltext verfasst durch Beat Caspar.Französische Übersetzung durch Grégoire Silacci.

DEPREZphoto SA, Crans-Montana