Unsere Botschafterin Michelle Gisin: „Einer meiner grössten Träume“

Die Dritte im Gesamt-Weltcup, die so charismatische und geschätzte Botschafterin der WM-Kandidatur 2027 von Crans-Montana, hat diesen Winter weitere Fortschritte erzielt. Sie brilliert in allen Disziplinen. Ihre Zukunft ist verheissungsvoll.   

Beim Zeremoniell für die Gesamtbesten steigt Michelle Gisin an diesem den Weltcup abschliessenden Sonntag in Lenzerheide mit starken Emotionen auf die dritte Stufe. Obwohl mittlerweile ans Protokoll von Ehrungen gewöhnt, will die Obwaldnerin versehentlich zuerst auf das zweite Treppchen. Das ist vielleicht nur die Zukunft vorweggenommen – so stetig führt ihr Weg seit Jahren nach oben. Lange hat sie diesen Winter mit Petra Vlhova um die Spitzenposition gekämpft, ehe sie die Slowakin enteilen und die im Endspurt phänomenale Lara Gut-Behrami vorbeiziehen lassen musste.  

Zumindest im Weltcup ist es nichtsdestotrotz die bisher beste Saison von „Micken“. Mit ihrem sympathischen, entwaffnenden Lächeln enthüllt sie, „auf dieses Podest zu steigen, löst sehr starke Gefühle aus. Seit meiner frühen Kindheit träume ich davon. Als ich den Riesenslalom beendet hatte, empfand ich sehr viel, gerade auch, weil ich den Moment mit meiner Familie teilen konnte. Auf diesem Podest zu stehen, dazu Vierte im Slalom und Riesenslalom zu sein, macht mich stolz. Das ist wirklich schön.“ 

Trotz Müdigkeit brillant  

Nach einem schwierigen Abstecher nach Åre gelang es Michelle Gisin, die finale Woche im Bündnerland mit zwei guten Ergebnissen zu beenden. Im Slalom stieg sie – zum sechsten Mal in dieser Saison! – aufs Podest, den Riesenslalom schloss sie als Fünfte ab. Sie verspüre eine gewaltige Müdigkeit, gab die Engelbergerin unumwunden zu, „das war eine unglaubliche Saison, die mit einem schönen Resultat zu Ende geht. Ich musste richtig kämpfen, die Verhältnisse am Sonntag waren so intensiv, so schwierig. Schon der Samstag war sehr speziell gewesen, ich bin erstmals in der Schweiz im Slalom aufs Podest gefahren. Das ist wunderbar.“   

Es ist in der Tat schwierig, im Gespräch mit der Schwester von Dominique und Marc Gisin etwas Negatives auszumachen. „Mir ist diesen Winter im Riesenslalom mit den ersten Podiums ein grosser Schritt nach vorn gelungen und im Slalom viermal aufs Podest zu fahren, hat grossen Wert“, freut sie sich. „Zudem habe ich im Speed ein ausgezeichnetes Gefühl und das Vertrauen wiedergefunden. Das ist genial, denn jedes Mal am Start konnte ich mir sagen, du kannst etwas Gutes schaffen. Das ist ein ausserordentliches Gefühl.“   

Die grosse Kugel im Visier?  

Michelle Gisin immer präsent zu sehen, und das in allen Disziplinen, dafür hätte man vor einem Jahr sofort unterschrieben – und zwingt auch zur Gratulation an Denis Wicki, ihren Trainer. Sie hat wirklich starke Leistungen aneinandergereiht. Das erlaubt es, nächsten Winter vom grossen Kristall zu träumen. „Es ist wichtig, dass ich weiter Fortschritte erziele“, bestätigt Michelle Gisin, „dabei denke ich nicht primär an Resultate, sondern an Leistungen.“  

Denis Wickis Plan für den Gipfelsturm sieht vor, mehr Siege einzufahren. „Hier gibt es einen Unterschied zu den zwei Besten“, räumt die Kombinations-Olympiasiegerin ein. „Man muss auch im Speed ein gutes Niveau aufweisen. Aber wie ich es oft wiederhole: die grosse Kugel ist kein Ziel, viel eher ein Traum. Es gibt zu viele Faktoren, die eine Rolle spielen, als dass man sagen könnte, ich werde das erreichen. Ich will einfach auf meinem höchsten Niveau Ski fahren.“  

Denis Wicki präzisiert seine Sicht: „Michelle muss in den Disziplinen gewinnen, die sie am besten kann, derzeit Riesenslalom und Slalom. Da muss sie mehrmals siegen und dann Speedrennen bestreiten, wenn es die Umstände erlauben. Erst dann hat sie das Gesamtpaket, um die grosse Kugel zu holen, nicht vorher. Die Zielvorgabe für das nächste Jahr ist da. Wir haben bereits davon gesprochen. Wir wissen, wohin wir gehen.“  

Übrigens: Um die nächste Saison vorzubereiten ist im Sommer eine Argentinienreise nach Cerro Castor, nahe bei Ushuaïa, mit verschiedenen Schweizer Athletinnen bereits vorgesehen. Wenn es die Corona-Pandemie denn erlaubt.  

Fotos: Agence Zoom

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