Wieder Doppelsieg – wieder Lara Gut-Behrami vor Corinne Suter, die die Abfahrtskugel holt.

Hühnerhautmomente in Crans-Montana für die 14'000 Zuschauer, die eine Revanche erleben, die nicht spannender hätte verlaufen können: Lara Gut-Behrami und Corinne Suter wiederholten in grosser Manier ihren Doppelsieg vom Vortag und entfachten eine unter die Haut gehende euphorische Stimmung. Diesmal trennte die Zufälligkeit von 0,02 Sekunden – oder umgerechnet 0,56 Zentimeter nach den 2450 Rennmetern! – die beiden Super-Schweizerinnen. Und auch Nina Ortlieb (AUT), die Dritte auf dem Podest, verlor nur fünf Hundertstelsekunden und bestätigte damit ihre Trainingsbestzeit, nachdem sie am Vortag als Mitfavoritin „nur“ Sechste geworden war. Am Samstag strahlte sie mit der Walliser Sonne um die Wette als hätte sie gewonnen.

Derweil genoss die überglückliche Siegerin den Moment ihres insgesamt 26. Triumphs im Weltcup eher in sich gekehrt. Die 28-jährige Tessinerin freute sich vor allem darüber, cool und fokussiert geblieben zu sein und ihr Ding wieder wunschgemäss durchgezogen zu haben. Dass sie mit 1:27,73 Minuten 0,62 Sekunden über ihrer Zeit vom Vortag geblieben war, hatte weniger mit ihrer Leistung als den Verhältnissen zu tun. Vor allem die lange Traverse im Mittelteil wurde an diesen frühlingshaft warmen Tag mit zunehmender Dauer sicher nicht schneller. Umso höher sind die Leistungen von Gut-Behrami (Nr. 17) und Ortlieb (Nr. 20) einzustufen.

"Vertraue mir selber"

„Der Schnee war etwas weicher als am Freitag“, befand die Siegerin später, „das machte es etwas komplizierter. Ich verlor ab und zu die ideale Linie, liess mich aber nicht verunsichern, puschte immer vorwärts. Das ist der grosse Unterschied zu der Zeit, als ich ins Zweifeln geriet. Ich vertraue mir wieder selber. Ich habe das Rennen in den letzten drei Kurven gewonnen.“

Corinne Suter hatte die Startnummer 3 gewählt und überstand 16 Angriffe auf dem Leaderstuhl. Nachdem Ester Ledecka (CZE/am Ende Fünfte) um 0,37 Sekunden geschlagen ins Ziel kam, stand fest, dass die zweifache WM-Medaillengewinnerin von Are die Kristallkugel als Abfahrtsbeste des ganzen Winters schon vor dem Final in Cortina d’Ampezzo auf sicher hatte. 155 Punkte beträgt der Abstand zu Ledecka, 157 zu Federica Brignone, die nach ihrem 4. Rang im Gesamt-Weltcup nur noch 27 Punkte hinter Mikaela Shiffrin liegt und heute mit einem Spitzenresultat in der Kombination in Führung gehen kann. Insbesondere Wendy Holdener, die am Samstag pausierte, und Petra Vlhova, die diesmal mit Platz 14 ex-aequo mit Priska Nufer, der drittbesten Schweizerin, Vorlieb nehmen musste, wollen es der Italienerin schwer machen. 

"Brauche eine Nacht"

„Es ist unglaublich, dass ich die Kugel habe“, sagte Corinne Suter, „ich glaube, ich brauche wohl eine Nacht, um das richtig zu realisieren.“ Dass sie in der achten Saisonabfahrt denkbar knapp geschlagen wurde, tat nichts zur Sache. „Ich habe versucht, es besser zu machen als am Freitag. Die Zeit war etwas besser, perfekt war die Fahrt jedoch wieder nicht. Aber ich bin so froh und glücklich, dass jetzt der Druck weg ist. Ich werde wieder besser schlafen.“ Dass sie als Führende auch Chancen auf die Super-G-Kugel hat, bereitet ihr keine Kopfschmerzen. „Ich fühle mich befreit. Das macht mich schnell.“ 

DEPREZphoto sa, cransmontana

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1. Lara Gut-Behrami/SUI
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2. Corinne Suter/SUI
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3. Nina Ortlieb/AUT
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Le charmant podium de la deuxième descente au progamme. Das sympatische Podium der 2. Abfahrt in Crans-Montana.
ambiance
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podium

 

Video: Johan Tachet