Grosser Kampf um die Weltcup-Abfahrtskugel

19. Februar 2020 - Nach der Übernahme des in Rosa Khutor abgesagten Rennens wird die Weltcup-Classique der Frauen in Crans-Montana mit drei Prüfungen – zwei Abfahrten wie in Lake Louise und Bansko und zweite Kombination (Super-G/Slalom) nach Altenmarkt-Zauchensee – zu einer höchst wichtigen Etappe dieser Saison. Nach dem mit Spannung erwarteten Wochenende im Wallis folgen zwar noch drei weitere Stationen (La Thuile, Ofterschwang, Are), aber auf dem Walliser Hochplateau fällt die Entscheidung, wer es in der Abfahrt ans Finale in Cortina d’Ampezzo schafft (16. bis 22. März).

Nimmt man den bisherigen Saisonverlauf als Massstab, so darf sich das Publikum auf sehr interessante Rennen freuen. Die Ausgangslage ist spannend. Die bisher ausgetragenen sechs Abfahrten ergaben sechs verschiedene Siegerinnen – international verteilt wie nie: Der Reihe nach die Tschechin Ester Ledecka und die Österreicherin Nicole Schmidhofer in Lake Louise, die Schweizerin Corinne Suter in Altenmarkt-Zauchensee, die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin und die Italienerin Elena Curtoni in Bansko, die Deutsche Viktoria Rebensburg in Garmisch-Partenkirchen. Sieben weitere Athletinnen fuhren mindestens einmal in die Top 3, darunter erfreulicherweise die Einheimischen Joana Hählen (in Bansko) und Michelle Gisin (Altenmarkt-Zauchensee). Das sind allerdings noch nicht alle Speedspezialistinnen, die am Freitag und Samstag für Spitzenränge in Frage kommen. Stars wie Weltmeisterin Ilka Stuhec, Lara Gut-Behrami, Tina Weirather und Ramona Siebenhofer lechzen gierig nach einer Saison-Podestpremiere in dieser Disziplin.

Corinne Suter gegen Federica Brignone

Für Corinne Suter wird es also alles andere als einfach, ihre Spitzenposition im Abfahrts-Weltcup zu behaupten. Die Historie lässt erahnen, dass das „Schätzchen der Ski-Nation“ vor allem von Brignone, die zwar noch keinen Abfahrtssieg, aber als einzige schon drei Podestplätze vorzuweisen hat, herausgefordert werden dürfte. Die 29jährige Italienerin hat beste Erinnerungen an Crans-Montana, hat hier 2017, 2018, 2019 dreimal die Kombination und 2019 die Abfahrt gewonnen. Sie wird mithin zusammen mit Wendy Holdener auch als eine Hauptfavoritin für die Kombination Super-G/Slalom am Sonntag gehandelt. Die bisher einzige Prüfung in Altenmarkt-Zauchensee hat sie vor Holdener (0,15 zurück), Marta Bassino und Ester Ledecka gewonnen. Als Vierte der Abfahrtswertung hat Brignone absolut intakte Chancen auf die kleine Kristallkugel. Ja, sie gilt als vielleicht schärfste Rivalin von Suter. Deren erste Verfolgerin Mikaela Shiffrin trauert um ihren verstorbenen Vater und fehlt wie Viktoria Rebensburg, die am Tag nach ihrem Triumph in Garmisch-Partenkirchen die Saison verletzt beenden musste.

So eng wie an der Spitze verläuft der Kampf am Strich nach Platz 25, der die Qualifikation für das finale Rennen in Cortina bedeutet. Von den Schweizerinnen momentan dabei wäre neben Suter (1.), Hählen (14.) und Gisin (19.) auch Lara Gut-Behrami. Als 24. kann sich die Tessinerin ihrer Sache allerdings wie Tina Weirather (25.), Jasmine Flury (30.), Priska Nufer (37.) oder Mirjam Puchner (29.) und Anna Veith (34.) nicht sicher sein.

Unterhaltung ohne Pause

Das Wettkampfprogramm ist der eine Magnet, das wie gewohnt vielfältige Rahmenprogramm der andere. Für beste Unterhaltung ist vor, während und nach den Rennen gesorgt. Erfahrungsgemäss mindestens so gute Stimmung wie im Zielgelände herrscht beim Auslosungs- und Siegeszeremoniell am Freitag- und Samstagabend auf der Eisbahn Ycoor. 2019 genossen insgesamt 31'470 Zuschauer die Ambiance, davon 13'000 am Samstag und 11'800 am Sonntag.

Foto: Agence Zoom

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Das Podest der Abfahrt 2020 in Zauchensee-Altenmarkt: 1. Corinne Suter; 2. Nicol Delago; 3. Michelle Gisin.
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Der Schneefall am Mittwoch verursachte viel Arbeit auf der Piste. Hier Soldaten des Geb Inf Bat 85 im Einsatz.

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An der Mannschaftsführersitzung vor dem Abfahrtstraining (von links): Andreas Krönner, technischer Manager FIS, OK-Präsident
Marius Robyr,  Michaela Dorfmeister, technische Delegierte FIS und Peter Gerdol, Chef Renndirektor FIS Frauen.


Video (nur in französischer Sprache): Laurent Morel, SkiActu