Federica Brignone ist neue Weltcup-Führende

Federica Brignone ist und bleibt in der Kombination des Weltcup-Klassikers in Crans-Montana die sichere Bank. Die Italienerin entschied mit Bestzeiten im Super-G und Slalom die zweite von drei Saisonprüfungen der Allrounderinnen 0,92 Sekunden vor Franziska Gritsch (AUT) und 1,82 vor Ester Ledecka (CZE) überlegen für sich. Dank ihrem vierten Triumph in vier Jahren im Wallis hat Brignone eine weitere Kristallkugel in Griffweite und führt jetzt dazu neben dem Riesenslalom- auch den Gesamt-Weltcup an. 

Nach den Schweizer Festspielen mit dem doppelten Doppelsieg von Lara Gut-Behrami und Corinne Suter in den Abfahrten von Freitag und Samstag war die Reihe am Sonntag an den Gästen aus dem Ausland. Nicht dass die Einheimischen Michelle Gisin und Wendy Holdener nicht alles versucht hätten, die Party zu verlängern. Doch nach eher bescheidenem Abschneiden im Super-G mit den Zwischenrängen 8 (1,10 Sekunden zurück) und 10 (1,50 zurück) lag nicht mehr viel mehr drin als das Vorrücken auf die Plätze 4 und 5. Für den Sprung aufs Podest wären sensationelle Slalomläufe nötig gewesen. Davon blieb das Duo weit entfernt, enttäuschte in den Stangen. Olympiasiegerin Gisin vergab ihre Chancen schon in den ersten Toren, Weltmeisterin Holdener kam ebenfalls nie auf Touren. Zufrieden durfte Swiss-Ski wenigstens damit sein, dass dank allen fünf Starterinnen in den Punkten (9. Rahel Kopp, 12. Priska Nufer, 13. Jasmina Suter) die Führung im Nationencup dank 166 Punkten (AUT 128) leicht ausgebaut werden konnte.

Das Pech von Petra Vlhova

Es hätte durchaus Platz gehabt auf dem Podium. Federica Brignones grosse Gegenspielerin Petra Vlhova, die als Super-G-Zweite nur 0,58 Sekunden wettmachen hätte müssen, hatte ihn mit einem Einfädler völlig überraschend freigeräumt. Kurz vor ihrem folgenschweren Malheur hatte die Slowakin, am Vorabend wegen Knieschmerzen für ein MRI noch in Sion im Spital gewesen, ihren Rückstand sukzessive auf 0,06 Sekunden bei der zweiten Zwischenzeit reduziert. Sie schien auf dem direkten Weg zum Tagessieg. Bei ihrem Aus ging ungläubiges Raunen durchs Publikum. 10'000 Schaulustige waren gekommen, was das Total des stimmungsvollen Wochenendes auf 31'000 brachte, nicht gerechnet die zweimal 3'000 an den Zeremonien auf der Eisbahn Ycoor.

Das mit Spannung erwartete Duell um den Sieg war also abrupt gelaufen. Letztes Jahr war das noch ganz anders gewesen. Da herrschte höchste Spannung bis zum Schluss, denn da durfte die Super-G-Schnellste erst als 30. auf die Slalompiste, nicht als bevorteilte Erste. Für Brignone spielte das keine Rolle. Nicht sie hat das Reglement geändert. Sie freute sich uneingeschränkt über ihren vierten Triumph im Wallis, ihren 15. im Weltcup. Ihre letzte Bezwingerin hier hiess Mikaela Shiffrin, 2016 in der zweiten Kombination damals (Ersatz für Altenmarkt). Diese Mikaela Shiffrin hat Brignone mit ihrer Wochenend-Ausbeute von 186 Punkten im Gesamt-Weltcup überholt und ist mit 73 Punkten Reserve in Führung gegangen.  

„Das bedeutet gleichzeitig viel und nichts. Die Saison dauert noch lange. Ich freue mich riesig auf die Fortsetzung, nächstes Weekend in La Thuile im Aosta-Tal. Das ist bei mir daheim, da wird das ganze Tal kommen und mich unterstützen“, blickte die freudestrahlende Siegerin voraus auf die  nächste Etappe mit Super-G und letzter Kombination. Das dürfte für sie genauso magisch werden wie Crans-Montana.

DEPREZphoto sa, cransmontana/Agence Zoom

1 10
1. Federica Brignone/ITA  
7 12
2. Franziska Gritsch/AUT  
 4  11
3. Ester Ledecka/CZE  
   
6   13
4. Michelle Gisin/SUI  
2 14
5. Wendy Holdener/SUI  
podium

 Video: Johan Tachet/SkiActu