Crans-Montana: Riesenfreude über den WM-Exploit von Wendy Holdener und Michelle Gisin

Eine Woche nach der Ski-Weltmeisterschaft in St. Moritz können sich die Skifans erneut freuen: Wendy Holdener, Weltmeisterin in der Alpinen Kombination und Michelle Gisin, Vize-Weltmeisterin werden sich in den beiden Alpinen Kombinationen des FIS-Weltcups 2016/17 in Crans-Montana (Freitag, 24. und Sonntag, 26. Februar, dazwischen der Super-G am 25.2) für den Gewinn der Kleinen Kristallkugel 2016/17 in dieser Disziplin duellieren. Nicht unterschätzt werden dürfen bei dieser hochspannenden WM-Revanche Ilka Stuhec (Slo), Sofia Goggia (It) und Michaela Kirchgasser (Ö). Die Organisatoren der Ski-Weltcuprennen Crans-Montana haben mit der sofortigen Übernahme der in Altenmarkt-Zauchensee (Ö) abgesagten Alpinen Kombination richtig gehandelt; mit zwei Rennen dieser olympischen Disziplin kommt es auf dem Walliser Hochplateau zum Top-Highlight!

Der  Schweizer Frauen WM-Exploit in der Alpinen Kombination von St. Moritz verdient einen kurzen Rückblick: Der 10. Februar 2017 geht in die Schweizer Skigeschichte ein. 16 Jahre nachdem Sonja Nef im WM-Riesenslalom im österreichischen St. Anton die Goldmedaille gewonnen hatte, holte Wendy Holdener mit dem WM-Triumph in der Alpinen Kombination von St. Moritz das so lange erwartete goldene Edelmetall für das alpine Schweizer Frauenteam. Und Michelle Gisin liess mit dem Gewinn der Silbermedaille die Herzen der Skifans noch höher schlagen. Nach dem Doppelsieg von Maria Walliser und Michaela Figini in der Abfahrt und im Super-G der Ski-Weltmeisterschaft 1987 in......Crans-Montana (!) gab es nun 30 Jahre später erneut dieses so rare, phantastische Sportergebnis!

In St. Moritz hatte  sich die Schwyzerin Wendy Holdener (23) mit einer starken Abfahrt (7. Rang) in eine ausgezeichnete Position für den Gewinn der Alpinen Kombination gebracht. Der Slalom verlief für sie in der Folge nicht ganz nach Wunsch: Doch mit einem Wimpernschlag von 5 Hundertstel Sekunden holte Wendy die mit riesigem Willen angestrebte Goldmedaille vor ihrer Teamkollegin Michelle Gisin. Die 23-jährige Obwaldnerin war dank einer ebenfalls sehr starken Abfahrt (4. Platz) und einem überzeugenden Slalom sehr nahe an der Sensation.

Wendy Holdener resümierte nach diesem Hitchcock-Finale im Ziel: „Ich war recht nervös und bin nicht top gefahren. Es schlichen sich einige Wackler ein, deshalb dachte ich nicht, dass es reichen würde.“ Denise Feierabend wurde mit 0“44 Rückstand auf die drittklassierte, im Slalom Bestzeitfahrende Österreicherin Michaela Kirchgasser (analog wie in der WM 2015 Vail/USA) starke Vierte. Die 27-jährige Engelbergerin hatte sich bereits zweimal als WM-Sechste klassiert: 2009 im Slalom von Val d’Isère und 2011 in der Alpinen Kombination von Garmisch-Partenkirchen. Die in der Alpinen Kombination der WM in St. Moritz nach der Abfahrt führenden Sofia Goggia (It; 1.) und Ilka Stuhec (Slo; 2.) schieden im Slalom früh aus.

Der Baumeister des Schweizer WM-Triumphs in St. Moritz ist Hans Flatscher, Cheftrainer Frauen Swiss-Ski Der mit der frühern Schweizer Spitzenrennfahrerin Sonja Nef verheiratete Österreicher, der sieben Jahre lang bei den Schweizer Männern die Abfahrer geführt hatte, hat mit seiner Perfektion und ruhigen Art eine grosse  Stabilität ins Frauenteam gebracht. Er versteht es hervorragend, mit seinem Trainer- und Betreuerstab auch die jungen Fahrerinnen gezielt und behutsam an die Spitze heranzuführen.

Leider gab es an diesem wunderschönen Erfolgstag der alpinen Schweizer Frauen auch eine Hiobsbotschaft: Für Lara Gut sind die Titelkämpfe in St. Moritz gelaufen. Sie zog sich eine gravierende Verletzung im linken Knie zu. Die Tessinerin war beim Slalom-Einfahren für den zweiten Teil der Alpinen Kombination unglücklich gestürzt. Die „Halbzeit-Dritte“ knickte nach einem Geländeübergang ein. In der Klinik gab es dann die niederschmetternde Diagnose. Bei radiologischen Abklärungen wurden ein Riss des vordern Kreuzbandes sowie eine Meniskus-Läsion festgestellt. Eine notfallmässige Operation ist nicht nötig, stattdessen eine lange Pause.

In einem Interview mit der Sportredaktion der Agentur sda-ats hat Urs Lehmann, Präsident Swiss-Ski, sich sehr positiv für die FIS Ski-WM-Kandidatur von Crans-Montana/Wallis ausgesprochen.

Swiss-Ski hat schon vor fast drei Jahren bestimmt, dass die nächste Schweizer WM-Kandidatur aus Crans-Montana kommen wird. Was waren die Überlegungen dahinter?

"Crans-Montana hat sich in den letzten Jahren im Weltcup wieder einen guten Namen erschaffen. Nun geht es darum, Crans-Montana als Kandidat nachhaltig aufzubauen und im Weltcup zu etablieren. Schon als Kandidat, aber gerade auch als WM-Ausrichter hast du quasi einen Fixplatz im Weltcup. Wir haben als nationaler Verband auch die Aufgabe zur geografischen Ausgewogenheit. Im Osten der Schweiz wird bereits seit längerem hervorragend gearbeitet, der Westen sollte nun möglichst nachziehen. Dass der Westen so gestützt wird, ist von langer Hand durchdacht und geplant. Dort ist der Grenznutzen für uns als Wintersportland grösser."