Gala-Vorstellung der Rückkehrerin Mikaela Shiffrin in Crans-Montana

Als sei sie nie weg gewesen: Mikaela Shiffrin demonstrierte in Crans-Montana ihr enormes Können und feierte nach zwei Monaten Verletzungspause ihren dritten Saisonsieg. Die 20jährige US-Amerikanerin gewann den achten Saison-Slalom der Frauen in 1:29,20 Minuten mit 0,45 Sekunden Reserve vor Nastasia Noens (Fr) und 0,50 vor Marie-Michèle Gagnon (Ka). Die beste Schweizerin, Wendy Holdener, belegte 1,17 Sekunden zurück den 9. Platz, Charlotte Chable den 25.,Rang. Michelle Gisin, 5. nach dem 1. Lauf, schied im Final aus.

Besseres hätte der am Wochenende arg gebeutelten Organisation der Frauen-Weltcuprennen in Crans-Montana am Montag nicht passieren können. Mikaela Shiffrin, die seit dem 12. Dezember 2015 verletzt hatte pausieren müssen, kehrte bei erfreulich viel Publikum und begeisterter Ambiance mit Pauken und Trompeten zurück. Die zweifache Weltmeisterin und Olympiasiegerin legte nach solidem Start einen phantastischen 1. Lauf hin und knüpfte mit der Bestzeit nahtlos dort an, wo sie vor dem Trainingsunfall in Are aufgehört hatte. Im zweiten Durchgang genügte Shiffrin die 16. Zeit. Das störte sie in keiner Weise, denn sie hatte mitbekommen, wie schwer sich die Besten des Vormittags taten. „Es war echt holprig, ein harter Kampf. Es hatte viele Rillen und Schläge und man konnte wenig sehen. Es war sehr schwierig, normal Ski zu fahren. Zum Glück ist es für mich noch gut aufgegangen“, meinte die Siegerin, die vor fünf Jahren an gleicher Stätte ihre Karriere international so richtig lanciert hatte. An der Junioren-WM 2011 in Crans-Montana machte sie als Slalom-Dritte auf sich aufmerksam.

Beim Slalom-Auftakt in Aspen hatte die Ausnahmekönnerin die Konkurrenz in den zwei Rennen mit 3,07 respektive 2,65 Sekunden Vorsprung richtiggehend geschockt. Diesmal waren es „nur“ noch 27 Hundertstelsekunden bei Halbzeit und 45 am Schluss – bei weitem genug, um Shiffrin vor Glück strahlen zu lassen. „Ich fühlte mich sehr gut, als ich hergekommen bin und wusste, dass ich für meinen zweiten Saisonstart bereit war. Aber richtig erleichtert bin ich erst jetzt, da es beim Comebackrennen tatsächlich wie gewünscht geklappt hat“, erklärte die grandiose Siegerin. Nun freue sie sich umsomehr auf die Fortsetzung des Winters, sprudelte es weiter nur so aus der eigentlich immer munteren, sich natürlich und offen gebenden Amerikanerin heraus. „Ich bin so glücklich, wieder dabei zu sein. Weltupkugeln kann ich zwar keine mehr holen, aber Rennen gibt es noch genügende zu gewinnen, mal schauen, wie viele Punkte ich noch holen kann“, so die Gewinnerin der Slalom-Weltcups 2013, 2014 und 2015.  

Mit ihrer triumphalen Rückkehr bestätigte Shiffrin die Meinung, ab sofort gehe es im Slalom wieder nur noch um zwei Podestplätze. Doch Veronika Velez Zuzulova (zweimal), Petra Vlhova, Nina Loeseth und Frida Hansdotter, die während ihrer Abwesenheit das Sieggefühl geniessen durften, sowie Sarka Strachova und Wendy Holdener, die in den zwei Monaten ohne Shiffrin ebenfalls aufs Podest gefahren waren, verpassten diesmal ihre Ziele. Zusammen mit Shiffrin stiegen die Aussenseiterinnen Nastasia Noens und Marie-Michèle Gagnon aufs Podest. Der 27jährigen Französin aus Nizza und der 26jährigen Kanadierin gelang das erst zum dritten Mal in ihrer Karriere. Bei beiden war das im Januar vor zwei Jahren. Diesmal rückten sie mit mutigen Fahrten und der 7. respektive 3. Zeit im Final von den Plätzen 6 und 11 vor. Bestzeit im 2. Lauf erzielte mit Bernadette Schild eine von fünf österreichischen Finalistinnen. Sie verbesserte sich vom 13. auf den 3. Rang.

Ähnliches hatten die Schweizerinnen im Sinn gehabt. Doch keine wuchs über sich hinaus. Michelle Gisin vergab ihre grosse Chance, vom 5. Platz aus noch vorzurücken, war allerdings schon vor ihrem Einfädler schlecht, weil viel zu direkt, gefahren. Wendy Holdener lieferte sogar zwei Fahrten unter  ihrem Wert und meinte ebenfalls, „gekämpft habe ich immer, aber ich fühlte mich unterwegs nie wohl, bin nie ins Fahren gekommen.“ Dass sie trotzdem wieder in den Top Ten landete, zeigt das Potenzial der Innerschweizerin.

 

DEPREZphoto SA, Crans-Montana