Lara Gut und Fabienne Suter fordern Lindsey Vonn

Fabienne Suter acht Hundertstel vor Lara Gut: Die Schweizer Topfahrerinnen glänzten in Crans-Montana im Abschlusstraining für die siebente Saisonabfahrt vom Samstag (Beginn 10.30 Uhr) mit den besten Zeiten.

Bessere Werbung für die Weltcupetappe in Crans-Montana mit Abfahrt am Samstag (10.30 Uhr), Kombination am Sonntag (10.30 und 13.30) und Slalom am Montag (10.00/13.00) hätten die beiden aktuell besten Schweizer Speedfahrerinnen nicht machen können. Nach dem starken Auftritt am letzten Wochenende in Garmisch-Partenkirchen mit Sieg im Super-G für Lara Gut und Platz 2 hinter Lindsey Vonn für Fabienne Suter setzte sich das Duo gestern auf der anforderungsreichen Piste Mont Lachaux erneut hervorragend in Szene. Diese Saison schon dreimal Zweite geworden, realisierte Suter mit 1:36,49 Minuten die beste Zeit. Gut büsste 0,08 Sekunden, oder umgerechnet 1,73 Meter, ein. Vonn reihte sich bei ihrer ersten Fahrt vom Originalstart mit 0,30 Sekunden Rückstand als Fünfte ein. Suters Marke liegt 2,49 Sekunden über der Siegerzeit von Andrea Fischbacher vor zwei Jahren. Kamerafahrer Bruno Kernen führte das vor allem auf den Neuschnee und auch die teilweise leicht geänderte Linienführung zurück. Der ehemalige Weltmeister steht nicht allein, wenn er meint, es werde nur schneller werden.

Das wird den Schwierigkeitsgrad der ohnehin schwierigen „Mont Lachaux“ – am Donnerstag scheiterten 17 von 57 Gestarteten an den Tücken, darunter Larisa Yurkiw, Cornelia Hütter, Viktoria Rebensburg und Tina Weirather aus den Top-Ten des Abfahrtsklassements – noch erhöhen. Die Trainingsbeste Fabienne Suter jedenfalls erwartet „kein einziges fehlerfreies Rennen“ und sagt voraus: „Nur wer hier sehr mutig fährt und riskiert, kann vorne sein., aber viele Fehler darf man sich nicht erlauben.“ Die 28jährige Schwyzerin freute sich sichtlich, relativierte die Situation indes mit der ihr in dieser Saison eigenen Gelassenheit und Ruhe, „der Samstag zählt. Dann interessiert das niemanden mehr. Lindsey und Lara sind heute auch noch nicht am Limit gefahren.“

Gut: „Fahren, nicht denken“

Die Führende im Gesamt-Weltcup und ihre erste, 87 Punkte zurückliegende Verfolgerin sind in der Tat vor jeder Abfahrt die Topfavoritinnen. Lara Gut, die hier sehr locker auftritt und gleich nach dem Probelauf im Hinblick auf die Kombination Slalom trainieren ging, freut sich auf die Heimrennen und geniesst die zusätzliche Unterstützung seitens des Publikums. Unter Druck fühlt sich die fünffache Saisonsiegerin (zwei Riesenslaloms sowie je eine Abfahrt, ein Super-G und eine Kombination) nicht. „Ich habe schon immer gesagt, nur die Erwartungen, die ich selber habe, sind wichtig.“ Ihr Ziel für ihre zwei Rennen in Crans-Montana (den Slalom vom Montag bestreitet sie wie Vonn „sicher nicht“) lässt sich nicht in Zahlen oder irgendeinem bestimmten Rang ausdrücken. „Ich möchte so fortfahren wie letzten Sonntag in Garmisch, einfach gut Ski fahren, nicht nachdenken. Dann kommt es schon gut“, sagte Gut. Auf ihr Duell mit Lindsey Vonn um die grosse Kristallkugel angesprochen, wiegelt sie ab, „da wird übertrieben. Klar sind wir beiden vorn, aber Vicky (Rebensburg) ist stark im Kommen.“

Vonn: „Video schauen“

Lindsey Vonn wirkte ebenfalls wie die personifizierte Gelassenheit. Lächelnd erklärte die US-Amerikanerin, die im Unterschied zu den Einheimischen gestern ihre allererste Fahrt vom Originalstart absolvierte, sie sehe durchaus noch Steigerungspotenzial. „Ich fühlte mich bis jetzt nicht hundertprozentig wohl. Es geht noch besser, ich werde intensiv Video schauen, ein perfektes Timing ist nötig.“ Sie sehe das Rennen wie jedes andere, meinte die in dieser Saison bereits fünffache Abfahrtssiegerin, „für mich ist das hier nicht ein Kampf gegen die Schweizerinnen. Ich will einfach wie immer mein Bestes geben.“

Auch die Lage im Weltcup umreisst Vonn ausgesprochen nüchtern, misst jedem Wochenende die gleiche Wichtigkeit bei. „Obwohl wir Athletinnen selber nicht immer an den Punktestand denken, so ist der Weltcup doch aufregend. Bei einer engen Situation wie jetzt steigt das Interesse der Öffentlichkeit, schauen mehr Leute zu. Das ging mir letzte Saison, als ich verletzt war und aussen stand, beim spannenden Duell zwischen Anna Fenninger und Tina Maze selber genauso.“

Stimmung garantiert

Mit zwei Schweizerinnen als ernsthaften Sieganwärterinnen ist eine gute Stimmung entlang der Strecke und im Zielgelände garantiert. Neben dem sportlichen Spektakel bietet die Veranstaltung ein reiches Unterhaltungsangebot mit Animationen, Musik, Feuerwerk und Flugshows des PC-7 Teams, falls es das Wetter erlaubt. Vor zwei Jahren genossen 8200 und 7500 Fans die mitreissende Atmosphäre. Nicht zuletzt dank der im März 2014 bei wie diesmal arg erschwerten Bedingungen und einer nebelbedingten Absage mustergültigen Organisation hat Crans-Montana einen Schritt vorwärts gemacht und ist neu auf Stufe „Classique“ mit jährlichen Rennen  angesiedelt. Bis zum Fernziel Alpin-WM (2025) dauert es allerdings noch eine Weile – und sind einige weitere Proben zu bestehen.

 

DEPREZphoto SA, Crans-Montana

Agence Zoom